Tiere, Aktivitäten und jede Menge Informationen gibt es auf dem Erlebnisbauernhof von Nicole und Gerhard Lindner in Welluck. Das Programm ist ideal für kleinere Kinder und für Schulklassen. Auch Erwachsene erfahren viel Neues.


Auf dem Wellucker Erlebnisbauernhof dürfen die Kinder beim Tränken der Kälber helfen. Foto: Brigitte Grüner


Lernen funktioniert am besten in der Praxis. Am Erlebnishof, der an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen den Auerbacher Ortsteilen Welluck und Sand liegt, haben kleine und große Gäste viel Gelegenheit dazu.


Mit Erlebnisbäuerin Nicole Lindner füttern die Kinder die Hühner. Foto: Brigitte Grüner
VOM GRAS ZUR MILCH – VON DER MILCH ZUR BUTTER

Der Lindner-Hof ist ein Milcherzeuger-Betrieb. Vor sechs Jahren wurde ein moderner Laufstall für die Tiere gebaut. Kein Wunder, dass sich auf dem Erlebnishof fast alles um das Thema "Milchvieh" dreht. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn die Besucher selbst melken dürfen. Kindern gelingt dies oft schneller als den erwachsenen Begleitpersonen. Ein weiteres Aha-Erlebnis haben viele Gäste, wenn sie die frische Milch trinken. "Die ist ja warm", heißt es dann häufig. Milch kennen die meisten Menschen heutzutage nur noch aus dem Kühlregal im Supermarkt. Gerhard Lindner, der seine Frau bei der Betreuung der Gruppen und Klassen unterstützt, erklärt viel Interessantes rund um die Aufzucht der Kühe.


Kinder sind erfinderisch: Im alten Hühnerhof denken sie sich das Spiel "nicht den Boden berühren!" aus und hüpfen in den vom Federvieh gegrabenen Löchern. Foto: Brigitte Grüner


Anfangs sei er etwas skeptisch gewesen, sagt er. Inzwischen sei er vom Programm "Erlebnishof" überzeugt. Gerade für die Öffentlichkeitsarbeit seien die Führungen auf dem Hof sehr wichtig. Kinder werden vertraut mit der heimischen Landwirtschaft. Was auf den ersten Blick für viele Menschen wie Massentierhaltung aussieht, relativiere sich schnell, wenn sie sich hinter den Kulissen umsehen. Interessant finden besonders die jüngsten Besucher immer den "Wellness-Bereich" für Kühe, deren Kalb in Kürze erwartet wird.


Auf dem Erlebnisbauernhof macht sogar die Arbeit Spaß: Emma füttert hier die Kälber. Foto: Brigitte Grüner
GEBURT EINES KALBS WÄRE FÜR DIE KINDER EIN HÖHEPUNKT

Eine Geburt möchten viele Kinder nur zu gerne miterleben. "Manche wollen gar nicht mehr heimgehen, wenn sie erfahren, dass eine Kuh bald kalben wird", lacht Nicole Lindner. Doch nicht nur Kühe leben auf dem Wellucker Hof. Es gibt auch Schweine, Hasen, Hühner, Enten und Gänse und natürlich Katzen. Ein paar Schafe oder Ziegen möchte die Bäuerin ebenfalls noch anschaffen.


Katze Susi lässt sich am liebsten von Lea Lindner nehmen. Foto: Brigitte Grüner


Die Reaktionen der jungen Besucher auf einen Bauernhof sind oft unterschiedlich. Es gab schon Kinder, die sich neben ein Ferkel oder ein Kalb in’s Stroh legten. Andererseits waren auch schon Kinder zu Gast, die ständig sagten "Iih, hier stinkt’s", sich nicht schmutzig machen durften und deshalb weit weniger erleben konnten wie ihre Freunde oder Klassenkameraden. Es gibt Kinder, die fragen dem Ehepaar Lindner die berühmten Löcher in den Bauch und sind dankbar für jede neue Information und jede neue Erfahrung im Umgang mit Tieren. "Das Positive überwiegt eindeutig", sagt Nicole Lindner.


Begeistert helfen die Mädchen und Jungen mit Schaufel und Besen bei der Stallarbeit. Foto: Brigitte Grüner
WIEVIEL LITER MILCH LEGT EINE KUH?

Es gibt Kinder, die kennen sich schon gut mit der heimischen Landwirtschaft aus. Aber die Familie hat auch schon andere Beispiele erlebt. Während eines Kindergeburtstags habe ein Kind nachgefragt, wie viele Liter Milch eine Kuh denn täglich legen kann, erzählt Nicole Lindner schmunzelnd. Auch nach einer lila Kuh wurde bereits gefragt.


"Darf ich mal anfassen?" – Auch die Küken bekommen an diesem Tag Streicheleinheiten. Foto: Brigitte Grüner


Ein Projekt, das Gerhard Lindner am Herzen liegt, wäre eine ganzjährige Feldbewirtschaftung durch eine Schulklasse. Wer selbst etwas ansät, auf Regen hofft, mit Gülle düngt, Unkraut zupfen oder Kartoffelkäfer absammeln muss, habe einen ganz anderen Blick für die Landwirtschaft und ihre vielfältigen Aufgaben und Probleme. "Learning by doing" nennt das der Landwirt, der gerne ein Feld für ein solches Projekt zur Verfügung stellen würde. Gerade bei Jugendlichen könne man noch das Bewusstsein für heimische Lebensmittel schärfen.



Wenn Kinder und Jugendliche einen Erlebnisbauernhof besuchen, kann der Klassenausflug über das Landwirtschaftsamt gefördert werden. Eine lukrative Einnahmequelle sind die Besuche für die Landwirtsfamilie dennoch nicht. Es gehe nur darum, dass der zeitliche Aufwand nicht umsonst ist und dass die Kosten für zusätzliche Versicherungen amortisiert werden, meint Gerhard Lindner.


Arbeit macht hungrig. Beim Ausbuttern helfen alle Kinder mit und schütteln den Rahm, bis er streichbar wird. Foto: Brigitte Grüner
AUSBILDUNG

Nicole Lindner ist qualifizierte Erlebnisbäuerin. Die entsprechende Urkunde verlieh ihr der damalige Landwirtschaftsminister Helmut Brunner im November 2014 in München. Der Weg zur Erlebnisbäuerin dauerte ein Jahr. Angefangen hatte es mit einer Informationsveranstaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ALE) in Amberg. Das ALE wollte weitere Höfe auch im Norden des Landkreises für dieses Programm gewinnen. Die Bäuerin aus Welluck nahm zunächst an einem zweitägigen Kurs teil und entschied sich danach, die komplette Qualifizierung zu machen. Meist war eine Übernachtung notwendig, da die einzelnen Module komprimiert über zwei Tage stattfanden. Dabei war Nicole Lindner unter anderem in den Seminarhäusern Triesdorf und Petersberg, auf einer Lehrfahrt zu einem Schulbauernhof sowie zur fachlichen Information bei bestehenden Erlebnishöfen. Unter anderem wurden ein Brothof, ein Kürbishof, ein Hof mit Ziegenhaltung und ein Käseseminar besucht. Zur Qualifizierung gehörte auch eine Abschlussprüfung. Dazu wurde eine Grundschulklasse aus Königstein eingeladen. Unter den kritischen Augen von zwei Prüferinnen erlebten die Kinder das Programm "Mit der Kuh auf Du und Du", das nach einem vorab geschriebenen Drehbuch durchgeführt werden musste.


Im November 2014 wurde Nicole Lindner vom damaligen Bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zur "qualifizierten Erlebnisbäuerin" ernannt. Foto: Ulla Baumgart/StMELF
HOFLADEN ERGÄNZT BALD DAS ANGEBOT VOM ERLEBNISHOF LINDNER

Die engagierte Bäuerin hat schon wieder neue Pläne. Die Familie ist gerade dabei, einen Nebenraum auf dem Anwesen zu einem Hofladen umzugestalten. Dort werden nicht ausschließlich eigene Produkte verkauft. Vielmehr möchte Nicole Lindner regional erzeugte Produkte anderer Höfe oder Genossenschaften vertreiben. Dazu gehört leckerer Käse von einer Molkerei-Genossenschaft am Tegernsee und aus eigenen Eiern hergestellte Nudeln. Auch Fleisch und Eier von eigenen Tieren sollen angeboten werden. Ebenso möchte sie das Sortiment auf heimisches Obst und Gemüse, Butter, Honig und Marmelade aus eigener Herstellung ausweiten.

ANMELDUNG PER TELEFON ODER EMAIL MÖGLICH

Schneller als die Einrichtung eines Hofladens geht ein erlebnis- und abwechslungsreicher Nachmittag auf dem Bauernhof. Drei Stunden sollten interessierte Kindergruppen oder Schulklassen schon einplanen, wenn sie den Erlebnishof besuchen wollen. Gerne richtet Nicole Lindner auch Kindergeburtstage aus. Die Teilnehmer erfahren nicht nur viel über das Arbeiten und die Tiere auf dem Hof, sondern werden auch bewirtet und können sich auf einer Strohburg austoben. Das Interesse an Kindergeburtstagen auf einem Erlebnisbauernhof nimmt zu. Durch Mundpropaganda kommen auch Familien aus dem weiteren Umkreis nach Welluck.
Eine Anmeldung und Terminabsprache ist möglich bei Familie Lindner unter Telefon (09643) 916078 oder per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.





Redation: Brigitte Grüner

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